„Das können Sie mit KI selbst“: So antwortest du
Immer öfter heißt es in Ablehnungen: Den Businessplan oder die Bewerbung schreibt doch ChatGPT. KI ist tatsächlich ein starkes Werkzeug. Die Frage ist aber nicht, ob ein Text entsteht, sondern ob du danach dein Vorhaben sicher umsetzen kannst.
Geprüft am 23.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Werte KI nicht ab. Sag, dass du sie nutzt. Das macht dich glaubwürdig.
- KI liefert Text. Ein Coaching liefert Prüfung, Entscheidung und Umsetzung: Stimmen die Zahlen, passt der Preis, trägt das Konzept vor Bank und Behörde?
- Ziel des Coachings ist nicht ein Dokument, sondern dass du dein Vorhaben selbst verstehst und vertreten kannst.
- Benenne konkret, welche Fragen ein Werkzeug für dich nicht beantworten kann.
Warum die Behörde so argumentiert
Vermittlungsfachkräfte sehen täglich, wie gut KI-Programme inzwischen Texte schreiben. Da liegt der Gedanke nahe: Wenn ein Businessplan in einer Stunde entsteht, wozu dann mehrere Wochen Coaching? Der Gedanke ist nachvollziehbar. Er verwechselt aber das Ergebnis auf dem Papier mit dem, was das Gesetz fördern will. § 45 Abs. 1 Nr. 4 SGB III spricht von der Heranführung an eine selbständige Tätigkeit. Gefördert wird also, dass du gründen und dich am Markt halten kannst, nicht, dass ein Dokument existiert.
Bei der Auswahl einer Leistung muss die Behörde nach § 7 SGB III auf deine Fähigkeiten abstellen. Wer zum Beispiel als Handwerker oder Pflegefachkraft gründet und nie kaufmännisch gearbeitet hat, kann einen KI-Finanzplan schlicht nicht beurteilen. Genau das gehört in deine Antwort.
„Den Businessplan können Sie heute mit ChatGPT beziehungsweise mit KI-Unterstützung selbst erstellen. Ein Coaching ist dafür nicht erforderlich.“ (sinngemäß, eine Agentur für Arbeit in Hessen)
„KI nutze ich bereits für Entwürfe. Sie kann mir aber nicht sagen, ob meine Umsatzannahmen realistisch sind, ob mein Preis die Kosten deckt und wie ich die Zahlen im Bankgespräch erkläre. Dafür brauche ich fachliche Begleitung.“
Was KI kann und was nicht
Eine faire Gegenüberstellung überzeugt mehr als jede Grundsatzdebatte. Nutze die Tabelle als Gedankenstütze für deine eigene Begründung.
| Das kann KI gut | Das braucht fachliche Begleitung |
|---|---|
| Gliederung und Formulierungen für einen Businessplan | Prüfen, ob Umsatz, Kosten und Preise zu deinem Markt passen |
| Allgemeine Infos zu Rechtsformen und Steuern | Die Entscheidung, was davon in deiner Lage richtig ist, und wer dafür geradesteht |
| Einen Liquiditätsplan als Tabelle anlegen | Verstehen, wann dir das Geld ausgeht und was du dann tust |
| Texte für Website und Werbung | Eine Strategie, wie du die ersten Kundinnen und Kunden tatsächlich gewinnst |
| Musterantworten auf Bankfragen | Das Üben des Gesprächs, in dem du selbst überzeugen musst |
| Schnelle Entwürfe zu jeder Uhrzeit | Rückmeldung, Priorisierung und Begleitung über mehrere Wochen |
Warum Zahlen der Knackpunkt sind
KI-Programme rechnen mit Annahmen, die sie nicht kennen können. Sie wissen nicht, wie viele Aufträge du in deiner Region realistisch bekommst, was deine Konkurrenz verlangt oder wie lange deine Kunden zum Zahlen brauchen. Ein Finanzplan kann deshalb sauber aussehen und trotzdem nicht tragen. Wer später den Gründungszuschuss beantragen will, braucht nach § 93 Abs. 2 SGB III außerdem die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle zur Tragfähigkeit. Diese Stelle fragt nach. Dann musst du deine Zahlen selbst erklären können.
Textbaustein für deinen Widerspruch
Passe den Text an und streiche, was nicht zutrifft. Weitere Bausteine findest du auf der Seite Richtig argumentieren.
Im Bescheid wird darauf verwiesen, dass ich meinen Businessplan mit Hilfe von KI selbst erstellen könne. KI-Werkzeuge nutze ich bereits und halte sie für sinnvoll, etwa für erste Entwürfe und Formulierungen. Sie ersetzen jedoch nicht die fachliche Prüfung meiner Umsatz- und Kostenannahmen, meiner Preiskalkulation und meiner Liquiditätsplanung. Ich habe keine kaufmännische Ausbildung und kann einen automatisch erstellten Finanzplan nicht verlässlich beurteilen. Ziel der Förderung nach § 45 Abs. 1 Nr. 4 SGB III ist die Heranführung an eine selbständige Tätigkeit, also dass ich mein Vorhaben verstehe, vertreten und umsetzen kann. Aus dem Bescheid ist nicht erkennbar, dass diese individuellen Fähigkeiten nach § 7 SGB III geprüft wurden. Ich bitte daher um eine erneute Ermessensentscheidung unter Berücksichtigung meines konkreten Bedarfs.
Was du besser weglässt
- Sätze wie „KI ist Unsinn“ oder „ChatGPT erfindet nur Sachen“. Das wirkt rückständig und stimmt so pauschal nicht.
- Die Behauptung, du könntest gar nicht mit Computern umgehen, wenn das nicht stimmt.
- Lange Ausführungen über Technik. Bleib bei deinem Vorhaben und deinen offenen Fragen.
- Den Satz, du hättest einen Anspruch auf den Gutschein. Den gibt es nicht, nur auf eine fehlerfreie Ermessensentscheidung nach § 39 SGB I.
Wenn das Amt bei seiner Meinung bleibt
Kommt das KI-Argument zusammen mit dem Hinweis auf kostenlose Angebote, beantworte beide Punkte getrennt. Fehlt eine echte Begründung, kannst du nach § 35 SGB X verlangen, dass die Behörde ihre Ermessensgründe nennt. Wie du danach weitermachst, erklären die Seiten Widerspruch einlegen und Neuantrag.
Häufige Fragen
Darf das Amt mich auf ChatGPT verweisen?
Die Behörde darf in ihre Abwägung einbeziehen, was du selbst leisten kannst. Ein allgemeiner Hinweis auf KI ersetzt aber nicht die Prüfung, ob dir im Einzelfall etwas fehlt, das ein Werkzeug nicht liefert, zum Beispiel die Prüfung deiner Zahlen oder die Vorbereitung auf das Bankgespräch.
Soll ich sagen, dass KI nichts taugt?
Nein. Schreib lieber, dass du KI schon nutzt oder nutzen willst. Dann wird klar, dass du mitwirkst und dein Bedarf trotzdem besteht.
Hilft es, einen KI-Entwurf mitzuschicken?
Oft ja. Ein Entwurf zeigt, dass du dich vorbereitet hast. Benenne dazu die Stellen, die du allein nicht prüfen kannst, etwa Umsatzannahmen, Preise oder Liquidität.
Gilt das auch für Jobcoaching?
Ja. KI kann ein Anschreiben formulieren, aber kein Vorstellungsgespräch üben, keine Strategie für deinen Arbeitsmarkt entwickeln und dich nicht durch Absagen begleiten.
Quellen
- § 45 SGB III – Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung
- § 7 SGB III – Auswahl von Leistungen der aktiven Arbeitsförderung
- § 39 SGB I – Ermessensleistungen
- § 35 SGB X – Begründung des Verwaltungsaktes
- § 93 SGB III – Gründungszuschuss (Tragfähigkeit, fachkundige Stelle)
Alle Angaben geprüft am 23.10.2026, ohne Gewähr. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
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